Design braucht Zeit

Gutes Design braucht Zeit – Warum es besser ist für Design mehr Zeit einzuplanen

Es ist Montag morgen und ich schleppe mich total übermüdet in die Agentur. Das Wochenende war doch so schön entspannt und jetzt soll es wieder Vollgas geben? „Ach wird schon nicht so schlimm werden“ denke ich mir, während ich mich an meinen Arbeitsplatz setze und meine Mails checke. Kaum habe ich die erste Mail fertig gelesen und als „zu bearbeiten“ markiert, klingelt auch schon das Telefon. Ein Kunde ruft an, ihm ist heute eingefallen, dass sie ab nächster Woche auf einer Messe sind und noch dringend einen Messestand, Broschüre, Flyer und am besten noch eine Landingpage benötigen. Während des Gesprächs fange ich an nicht mehr genau zu zuhören und frage mich stattdessen, wie das denn alles zu schaffen sei? – Mir fällt die Antwort in diesem Fall ziemlich schwer, denn im Grunde bleiben nur zwei Sachen übrig. Erstens: Andere Kunden vertrösten, und ihnen mitteilen dass ihre Projekte etwas später fertiggestellt werden und zweitens: dieses Projekt im ungeliebten Quick and Dirty verfahren durchziehen.

Quick an Dirty bedeutet, wie der Name schon sagt, dass man etwas einfach nur hin klatscht. Also schnell und dreckig.

Wenn der kurzfristige Auftraggeber jetzt denkt, dass man sich keine Mühe für seine Projekte gibt, ist dies aber schlichtweg falsch. Denn man stellt sein Projekt höher als die der anderen und versucht ihm seinen Messeauftritt zu ermöglichen. Leider ist die Arbeitszeit eines Grafikers oder einer Werbeagentur auch nur begrenzt (bis auf die großen Ausbeuter-Agenturen), daher ist es schlichtweg nicht machbar in kurzer Zeit wirklich etwas hochwertiges zu zaubern. Klar man braucht einen gewissen Zeitdruck, sonst schludert man ständig vor sich hin, aber der Auftrag muss auch schaffbar sein.

Aber warum ist das so, dass ein wirklich gutes Design Zeit braucht?

Im Laufe meiner Tätigkeit als Grafik-Designer musste ich feststellen, dass wenn man sich die Zeit nimmt und in Ruhe an ein Projekt geht, das Ergebnis sauberer, kreativer und besser ist als bei einem Schnellschuss. Es ist halt leider so, dass die besten Ideen nicht immer auf Knopfdruck kommen, wenn man gerade am Schreibtisch sitzt und nach der passenden Idee sucht. Ideen sind schüchtern und sie kommen nur zu einem wenn man sie nicht versucht anzulocken. Das ist kein quatsch, wie oft kamen mir schon die besten Ideen während ich am Autofahren bin oder auch auf dem Klo sitze!? Aber das heißt jetzt nicht, dass ich mich ins Auto oder auf den Topf setze und schon sprudeln die Ideen. Nein sie kommen einfach dann wenn man nicht mit ihnen rechnet. Wie die Schwiegereltern oder das Schreiben vom Finanzamt, wenn man mal wieder Steuern zahlen darf.

Ein weiterer Grund ist, dass Design wie ein guter Wein reifen muss. Design läuft in mehreren Phasen ab. Darunter sind unter anderem auch viele interne Korrekturen, Entwürfe die über den Haufen geworfen werden und vor allem die Ideenfindung.

Siehe auch meinen Artikel zum Logo-Design. Hier werden unter anderem die Schritte eines Logo-Designs erklärt.

Wenn man sich als Designer mit dem ersten Entwurf zufrieden gibt, dann zeugt das nicht gerade von Qualität, denn Designer sind meistens auch ihre eigenen größten Kritiker. Also werden stundenlang Design-Elemente am Rechner hin und her geschoben, bis es 100%ig passt.

In der Ruhe liegt die Kraft

Jaja ich weiß, eine abgebrochene Headline, aber sie passt vom Inhalt hierher,  wie die Faust aufs Auge. Designer sind Träumer und Visionäre, deshalb darf man sie nicht aus ihren Träumen reissen und sie unter Zeitdruck setzen. Ist ein Designer unter Zeitdruck, fängt er an nervös zu werden. Durch seinen Kopf gehen tausend Gedanken, sein Blick richtet sich starr auf die Uhr im Monitor, er bewegt die Maus wild hin und her und fängt auf den ersten Blick an zu arbeiten. Das macht er sogar in einem extrem schnellen Tempo. Aber arbeitet er richtig? – Nein, arbeitet er nicht. Denn er fängt an irgendetwas aus der Not heraus zu gestalten. Ihm fehlt die Zeit und die Ruhe, damit er sich vorher Gedanken über das Konzept und das Design machen konnte.

Das ist aber noch nicht das schlimmste, denn in dieser Hektik entstehen Flüchtigkeitsfehler. Da wird zum Beispiel ein Text oder ein Bild komplett vergessen, Rechtschreibfehler und Zahlendreher schleichen sich ein und es wird von Grund auf nicht sauber gearbeitet. In seiner Hektik wird das PDF nicht mehr genau kontrolliert und geht dann mit diesen Fehler an den Auftraggeber. Nun darf man weitere Schleifen drehen um die Fehler zu beheben. Das ist sogar noch der beste Fall, denn bemerkt der Auftraggeber die Fehler nicht, gehen die Sachen in Produktion und spätestens auf der Messer fällt jemanden dieser Fehler auf.

Plane deshalb genug Zeit für deine Design-Aufträge ein

Designer sind auch nur Menschen und können Fehler machen und vor allem muss dir auch im klaren sein, dass man mit Photoshop nicht alles per Mausklick zaubern kann – vor allem nicht in kurzer Zeit. Es ist nun mal ein Handwerk und das bedeutet, dass viel erlernte Arbeit und Know How in das Design fließen. So etwas braucht nun mal Zeit. Deshalb kalkuliere diese Zeit ein, wenn du einen Grafiker oder eine Agentur mit deinen Design-Projekten beauftragst. Es geht nämlich nicht darum ihnen Zeit zu verschaffen sondern es geht darum, dass das Ergebnis am Ende des Tages perfekt ist. Es ist ja schließlich für dich und du möchtest es doch so gut wie möglich haben. Deshalb sei dir Bewusst, dass du immer eine Gewisse Zeit für deine Projekte einplanen musst und ein Design nicht in ein bis zwei Tagen abgeschlossen ist. Versuche zudem die Leute nicht zu hetzen, die für dein Design verantwortlich sind, denn so werden sie Stück für Stück genervter von dir und das Ergebnis wird darunter leiden. Es ist halt wie immer im Leben – Man erntet was man sät.

About the author

Daniel

Daniel ist gelernter Mediengestalter und profitiert von über 10 Jahren Grafikerfahrung in Werbeagenturen und als selbständiger Grafiker. Privat ist er ein großer Musikliebhaber, Eishockey-Fan und Vater eines coolen Sohnes.

View all posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*