full service werbagentur

Full Service Werbeagentur – Der Ramschladen der Werbeindustrie

Immer wenn ich auf der Suche nach Agenturen im Umkreis bin, um mich einfach mal über deren Angebote zu informieren, stolpere ich über kleine Werbeagenturen, die sich gerne mal „Full Service Werbeagentur“ nennen. Ich fange dann an, ganz langsam meinen Kopf von links nach rechts zu bewegen und ebenso langsam meine Augen zu schliessen, denn ich weiß in etwa wie viele Mitarbeiter in einer dieser sogenannten „Full Service Agentur“ am Werk sind und das man sich als Drei-Mann-Truppe wirklich nicht so nennen sollte. Die Bezeichnung Ramschladen trifft es nämlich hier schon eher, denn wie bei einem Ramschladen wird versucht dem Kunden einfach alles, komme was wolle, anzudrehen, ohne auf den Nutzen und die Qualität zu achten.

Was versteht man unter einer Full Service Werbeagentur?

Im Grunde genommen kann man sagen, dass eine Full Service Werbeagentur den kompletten Bereich der Werbung und des Marketing für ein Unternehmen abdeckt. Der Kunde stellt ein gewisses Budget pro Jahr für Werbung zur Verfügung und die Full Service Werbeagentur betreut ihn, nach Absprache, in Sachen Werbung und Marketing. Hierbei ist es so, dass die Full Service Werbeagentur von sich aus an den Kunden geht und sagt „Hey, lass uns mal eine Kampagne mit [irgendwas kreativem] machen“. Der Kunde sagt dann einfach „Jo klingt gut, könnt ihr machen“ oder „Neeee ich weiß nicht“.

Zu den Aufgaben einer Full Service Werbeagentur gehören unter anderem:

  • setzen von Broschüren, Flyer und Folder
  • entwickeln von Anzeigenkampagnen
  • erstellen von Messekonzepten
  • Pflege und Betreuung der Internetplattformen (Website, Social Media Kanäle …)
  • erstellen von Pressetexten, bzw. alles was zur PR gehört.

Eine ausführliche Liste steht weiter unten im Text.

Das alles abzudecken ist mit wenig Mitarbeitern kaum bis gar nicht machbar, denn ein Mitarbeiter betreut schließlich nicht nur einen Kunden sondern gleich mehrere. Zudem kann ein Mitarbeiter auch nicht wirklich alle Bereiche der Werbung abdecken. Sollte Jemand das angeblich können, dann wird wohl die Qualität nicht gerade hoch sein, denn es gibt keine Kernkompetenz für einen bestimmten Bereich und so wird dieser Mitarbeiter vielleicht alles können, aber von allem nur ein kleines bisschen.

Deshalb braucht eine ernstzunehmende Full Service Werbeagentur eine gewisse Anzahl an Mitarbeitern um seine Kunden wirklich gut betreuen zu können. Diese Agentur wird dann in die spezifischen Abteilungen eingeteilt und profitiert von der Fachkompetenz der jeweiligen Bereiche, wie zum Beispiel die PR-, Design- oder die Social-Media-Abteilung.

Full Service Werbeagentur für Startups und Mittelständische Unternehmen

Bei Startups und beim etwas kleineren Mittelstand ist das Werbebudget in der Regel nicht gerade hoch und deshalb können sich Startups und Mittelständer meistens keine wirkliche Full Service Werbeagentur leisten. Jedoch brauchen diese auch eine Agentur die sie in Sachen Werbung betreut und stoßen deshalb auf die „scheinheiligen“ Full Service Agenturen, die für wenig Geld die Unternehmen betreuen. Klingt auf dem ersten Blick relativ gut. Aber wo hakt es denn bei diesem Angebot genau?

Es hakt an zwei Dingen.

  1. Das Budget – für ein Werbebudget von 5.000 ,- € im Jahr kann man einfach nicht erwarten, dass sich eine Full Service Werbeagentur ständig neue Werbemaßnahmen ausdenkt, die umgesetzt werden können.
  2. Die Manpower – Kleine Agenturen zwischen drei bis sechs Mitarbeiter können eine komplette Betreuung einfach nicht schaffen.

Wie sieht die BETREUUNG durch kleine Full Service Agenturen aus?

Ich möchte jetzt eigentlich gar nicht mehr das Wort Full Service Werbeagentur schreiben, wenn ich über kleine Werbebüros rede. Nennen wir sie doch einfach mal mal „Fake Service Agentur“. Im Prinzip werben diese Agenturen mit dem Titel „Full Service Agentur“, ohne dass sie eigentlich selbst wissen was es bedeutet. Denn für sie bedeutet es so viel wie „Du brauchst etwas und wir kümmern uns drum“. Was sie aber wirklich damit sagen wollen ist, dass sie augenscheinlich alles können und ihr Know How in allen Gebieten der Werbung zu finden ist.

Und das können die die „Fake Service Agenturen“ alles:
Hier klicken um die lange Liste zu überspringen

• Anzeigenkampagnen
• Branding
• Corporate Design
• Corporate Identity
• Crossmedia-Konzeption
• Dialogmarketing
• Förderung
• Ideenentwicklung
• Kampagnenkreation
• Kommunikationsberatung
• Kreativkonzepte
• Marketingstrategien
• Projektmanagement
• Relaunch
• Werbestrategien
• Druck
• Druckveredelung
• Fotografie
• Grafik
• Illustration
• Lektorat
• Logo Design
• Produkt Design
• Programmierung
• Redaktion
• Übersetzung
• Visualisierung
• Werbetexterstellung
• 3D-Modelle
• Apps
• Außenwerbung
• E-Commerce
• Fahrzeugbeschriftung
• Mailings
• Merchandising
• Messen & Events
• Online-Werbung
• Printmedien
• Promotion
• Public Relations
• Social Media
• Websites
• Werbetechnik

Wenn du oben gut aufgepasst hast, hast du mitbekommen, dass ich der Meinung bin, dass man nicht auf allen Gebieten perfekt arbeiten kann, also um Himmelswillen, wie will denn ein 2–6-Mann-Betrieb das ganze professionell abdecken können?

Merke: Viele Aufgabengebiete bedeutet, dass man von jedem etwas kann, aber nichts wirklich gut!

Der Workflow der Fake service  Agenturen

Während man bei einer richtigen Full Service Werbeagentur nur sein Budget zur Verfügung stellt und die Agentur machen lässt, funktioniert die Arbeitsweise bei einer Fake Service Agentur etwas anders. Als Startup oder Unternehmen geht man in der Regel mit einer Idee oder einem Vorhaben zur Agentur, die dieses dann umsetzt. Je nach Projekt verkaufen diese Agenturen dann noch Zusätze wie Give Aways, Flyer, Landingpages, Postkarten oder was auch immer sie noch als Werbemaßnahmen für richtig erachten.

So verkommt der Begriff Full Service werbeagentur

Wie du siehst sind es einfach zwei völlig verschiedene Konzepte. Die Full Service Werbeagentur betreut den Kunden mit seinem Full Service und die „Fake Service Werbeagentur“ setzt einfach nur Ideen, bzw. Projekte um und bedient sich aus verschiedenen Feldern der Werbung.

Was mich stört ist, dass der Begriff der Full Service Werbeagentur von kleinen Agenturen einfach missbraucht wird. Für deren Verständnis ist es einfach nur eine Anzahl der Dienstleistungen die sie machen können, bzw. könnten und hat im Grunde nichts mit einer Full Service Betreuung zu tun.

About the author

Daniel

Daniel ist gelernter Mediengestalter und profitiert von über 10 Jahren Grafikerfahrung in Werbeagenturen und als selbständiger Grafiker. Privat ist er ein großer Musikliebhaber, Eishockey-Fan und Vater eines coolen Sohnes.

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4 Comments

  • Hallo Daniel,
    oha, auf „Full Service Werbeagentur“bist du ja nicht gut zu sprechen 😉
    Ein bisschen möchte ich diese aber verteidigen. Denn wenn es keinen Bedarf für Sie gäbe, wären sie nicht mehr da 🙂
    Jedes Dorf hat eine und in größeren Städten finden sich eigentlich auch immer mehrere.

    Nehmen wir doch das oben genannte Beispiel mit 5.000 € Werbebudget eines kleinen Unternehmens (was für die ganz schnell sehr viel Geld sein kann). Dass man damit nicht zu den Big Playern der Werbebranche gehen sollte, ist klar. Und fünf Spezialagenturen aussuchen und jeder 1.000 € in die Hand drücken, wird auch nur funktionieren, solange im Unternehmen einer sitzt, der genau weiß, welche Agentur welche Leistungen umsetzen soll. Bzw. schon einen Schriftt vorneweg: welche Leistungen überhaupt benötigt werden, bzw. sinnvoll sind. Und da hört es ja oft schon auf. Dieses (Online-)Marketing-Wissen sitzt oft nicht in den KMUs. Daher brauchen diese einen Full-Service-Anbieter, der die richtigen Leitsungen für sie aussucht.
    Und selbst dann, warum sollten zwei, drei Mann (also eine kleine Full-Serive-Agentur) ein Corporate Design, eine Webseite, eine Printanzeige, einen Newsletter und eine Facebook-Fanpage nicht auch gut gestalten und umsetzen können? Das sechs Spezialisten das sicherlich besser könnten, ist keine Frage. Aber das Budget gibt das nicht her und vielleicht ist es für die Bäckerei um die Ecke auch völlig ausreichend…

    Gruss
    Martin

    • Hallo Martin,

      klar hast du nicht unrecht, denn in der Praxis ist es nun mal so. Es geht primär um die Verwendung des Begriffs, denn im Grunde sind das keine wirklichen Full Service Agenturen. Bei deinem Beispiel mit einem Team von 2–3 Mann geht es primär um Gestaltungsaufgaben, diese sind natürlich mit dieser Manpower zu stemmen. Das sogar als One-Man-Show. Der Begriff Full Service beinhaltet aber mehr als Design. Die Auflistung von mir zeigt mit welchen Dienstleistungen kleine Agenturen werben und das kann einfach nicht von Qualität sein. Ähnlich wie in einem Restaurant was eine Speisekarte mit 100 Gerichten hat.

      • Ja, ich sehe das nicht (mehr) so verbissen.
        Mein Beispiel sollte auch die Umsetzung beinhalten. Das bekommen 2-3 Mann auch hin. Und warum soll die Qualtität von denen mit vielfältigen Leistungen für die bspw. „vor-Ort-Metzgerei“ nicht ausreichen!?
        Das ist dann eine Qualität, die für viele Firmen nicht ausreichend wäre, aber für die vor-Ort-Metzgerei eben doch völlig…

        Es ist doch ein bisschen vergleichbar mit den Angeboten für 500 € eine Webseite umzusetzen. Was soll da für Qualität bei rum kommen?

        Ich sehe, dass aber mittlerweile so: es gibt für jedes Angebot einen Markt. Es gibt Kunden, die brauchen und wollen solche kleinen Full-Service-Agenturen und es gibt Kunden, die brauchen und wollen solche günstigen (billigen?!) Webseiten… Also bekommen sie diese auch.

        Das einzige, was sich dadurch vielleicht für uns ändert, sind die Vorstellungen der Kunden („Was, soviel kostet das?“) und dagegen hilft nur Aufklärung. Insofern passt dein Artikel dazu 😉

        Cheers
        Martin

        • Da stimme ich dir zu. Ist vielleicht auch alles ein wenig überspitzt geschrieben und es gibt auch kein wirkliches Schwarz und Weiß. Dein Letzter Absatz trifft es auf den Punkt, denn das war das Ziel des Artikels 🙂

          Viele Grüße
          Daniel

          PS: Übrigens warten wir in der Firma noch auf dein Angebot 😉 😀 … ich glaube du weißt es nicht, aber wir hatten mal Kontakt 😉

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