Ein Fahrrad was für sich selbst wirbt – Tim Taubner Koala Bicycles im Interview

Es gibt viele Startups mit tollen Ideen um die Welt zu verbessern und das ist auch gut so, denn das Denken der Menschen ist im Wandel und das erkennt unter anderem auch das Startup Koala Bicycles. Das Startup stellt nämlich nachhaltige Fahrräder aus Bambus her, was meiner Meinung nach eine kleine Revolution auf dem Fahrradmarkt ist. Es ist schön, dass auch dieser Markt eine nachhaltige Fahrradmarke bekommt, und somit den Ruf des Fahrrads als umweltschonendes Fortbewegungsmittel untermauert. Da ich das Projekt sehr interessant finde, habe ich es mir nicht nehmen lassen, den Gründer Tim Taubner, ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Tim Taubner, stelle dich, deine Aufgaben bei Koala Bicycles und natürlich das Startup Koala Bicycles vor.

Unser Start-Up Koala Bicycles wurde im August 2015 gegründet. Seitdem entwickeln und produzieren wir ganz offiziell Fahrräder aus ökologischen, schnell nachwachsenden Materialien. Unser Kernprodukt ist der Fahrradrahmen aus Bambus. Zusammen mit unseren Holzlenkern und vielen anderen Komponenten setzen wir je nach Kundenwunsch individuelle Fahrräder zusammen. Unsere Vision ist, das Bambusfahrrad als sinnvollere, nachhaltige Alternative neben Fahrrädern mit Alu-, Stahl- oder Carbonrahmen auf dem Markt zu platzieren.

Mittlerweile besteht unser Team aus vier begeisterten Kernmitarbeitern und vielen Unterstützern. Einer davon bin ich, Tim Taubner, Gründer von Koala Bicycles. Meine Hauptaufgabe ist die Entwicklung und Verbesserung der Bambusrahmen. Als Chef bin ich natürlich auch für viele andere Dinge zuständig, achte aber vor allem darauf, dass alle ihre Arbeit machen können.

Ihr baut Fahrräder aus Bambus, wie seid ihr darauf gekommen?

Die Idee, Bambusräder zu bauen, hatten wir schon länger. Als im Sommer 2015 an der ETH Zürich der ETH EC Award (ein Gründerwettbewerb) stattfand, entwickelten wir ein Geschäftskonzept, um unsere Idee von einem möglichst ökologisch und nachhaltig konzipierten Fahrrad zu präsentieren. Mit der Idee, den Bambusfahrradrahmen seriell produzierbar und das Bambusrad dadurch überhaupt erst einer breiten Masse zugänglich zu machen, gewannen wir den Award.

Welche Vorteile hat ein Bambusrad?

Ein Bambusrad ist deutlich ökologischer als vergleichbare Fahrräder aus Aluminium. Zum Beispiel werden bei der Gewinnung und Verarbeitung von einem Kilogramm Aluminium mindestens 16 Kilogramm CO² ausgestoßen. Mit Bambus kommt man in etwa auf eine neutrale CO²-Bilanz. Darüber hinaus bindet Bambus CO² beim Wachsen.

Gleichzeitig bietet Bambus neben seinem besonderen Aussehen auch mechanische Vorteile. Bambus wächst von Natur aus als Verbundstoff und ist aufgrund seiner Form ideal geeignet, um die Kräfte im Fahrradrahmen aufzunehmen. Gleichzeitig dämpft Bambus Stöße deutlich besser ab als ein Alu-Rahmen. Und das bei einem niedrigeren Gewicht. Zudem benötigen wir zur Versiegelung keinen umweltschädlichen Lack. Es genügt ein Naturöl, um Bambus zu versiegeln.

Wann denkt ihr, ist es soweit, dass eure Fahrräder auf den Massenmarkt kommen?

Bis Bambusfahrräder einen nennenswerten Anteil auf dem deutschen Fahrradmarkt ausmachen (Insgesamt werden in Deutschland jährlich etwa 4,5 Millionen Fahrräder verkauft.), werden sicherlich noch ein paar Jahre vergehen. Aber wenn es sobald ist, wollen wir dabei sein. Daher wollen wir noch dieses Jahr eine Produktionslinie aufbauen und neben den individualisierten Fahrrädern (Koala Lifestyle) auch seriell gefertigte Fahrräder anbieten. Unser mittelfristiges Ziel ist die Fertigung und der Verkauf von etwa 100 Fahrrädern pro Monat.

Welche Zielgruppe habt ihr und wie habt ihr eure Zielgruppe recherchiert?

Unsere Zielgruppe sind ökologisch sensibilisierte Frauen und Männer, die ihr Fahrrad häufig benutzen und bereit sind, für bleibende Qualität etwas mehr zu zahlen. Unsere Kunden sind vor allem Personen, welche die Bedeutung von Umweltschutz und Nachhaltigkeit verstanden haben und dass man sich nicht darauf ausruhen kann, das Fahrrad dem Auto vorzuziehen. Unsere Zielgruppe kristallisiert sich durch unser Produkt automatisch heraus. Dennoch haben wir in der Anfangsphase mit Fahrradfach- und Großhändlern gesprochen und uns angeschaut, was es auf dem Markt gibt und was nicht.

Achtet ihr bei eurem Design darauf, dass es zur Zielgruppe passt?

Absolut. Der Rahmen ist komplett im „Nature-Look“ gehalten. Die Verbundstellen sind aus Flachs und der Bambus nur mit einem natürlichen Klarlack versiegelt. Es soll auf den ersten Blick klar sein, dass es sich um ein natürliches, umweltfreundliches Produkt handelt, das für Nachhaltigkeit steht – vom ersten Schritt in der Produktion bis zum eigentlichen Verkauf.

Auch die verbauten Komponenten sind farblich angepasst. Die Teile aus Aluminium sind naturbelassen, anstatt zu lackieren, polieren wir sie nur. Die Lenker sind aus farblich abgestimmtem Holz und der Sattel entweder aus braunem Leder oder aus grünbraunem Korkgel.

Aufgrund seiner Seltenheit ist das Koala Bike sofort ein Hingucker – und bringt uns wiederum Aufmerksamkeit und Werbung.

Ich finde Euer Logo ausgesprochen gut gelungen. Wie kam es zu dieser Idee?

Das Logo hat Irene Ma, eine Studentin aus Zürich entworfen. Sie liebt minimalistisches Design. Wir wollten unbedingt Fahrräder und unser Maskottchen, den Koala, im Logo haben. Die Idee und die Umsetzung hat dann Irene für uns übernommen.

Wie war der Designprozess des Logos für dich, hast du es so erwartet oder war das alles Neuland?

Da Irene für das Design des Logos zuständig war, hatte ich weniger meine Finger im Spiel, aber im Prinzip lief es so ab:

  1. Wir wollten, dass das Logo einen Koala und das Fahrrad enthält. Gleichzeitig musste es „lasergravierbar“ sein, also aus einfachen Formen bestehen. Auch sollte es auf verschiedenen Untergründen funktionieren und nicht von der Farbe abhängig sein.
  2. Irene hat einige Bleistiftskizzen präsentiert und wir haben gemeinsam zwei Entwürfe ausgesucht.
  3. Diese hat Irene dann weiter ausgestaltet und wir haben uns schließlich für unser Logo entschieden.
  4. Schließlich wurde dieses digitalisiert und uns in verschiedenen Varianten zur Verfügung gestellt.

Mir ist bei dem betrachten eurer Website noch kein fertiges Corporate Design aufgefallen. Ist das ein Punkt den ihr noch angehen werdet?

Ja, auf jeden Fall. Bisher haben wir lediglich Schriftarten, Logo und als Akzentfarbe einen Grünton festgelegt. Hier müssen wir noch systematischer vorgehen.

Welche Werbemaßnahmen habt ihr bis jetzt ergriffen, um bekannt zu werden und welche davon haben funktioniert und welche eher weniger?

Wir haben verschiedene Maßnahmen ausprobiert. Zunächst haben wir auf Facebook angefangen, da wir uns für den ETH EC Award mit einer gewissen Anzahl von Facebook-Likes qualifizieren mussten. Das hat ganz gut geklappt. Im Anschluss haben wir im Familien- und Freundeskreis die ersten Kunden gefunden. Zu einem erster Bekanntheitsschub verhalf uns der Artikel auf www.ethz.ch, den auch viele Schweizer Zeitungen weiterveröffentlichten.
Aktuell verkaufen wir die individuelle Koala Lifestyle Fahrräder durch Mund-zu-Mund-Propaganda, also an Freunde und Bekannte von glücklichen Kunden.

Hattet ihr euch das mit der Werbung einfacher oder schwieriger vorgestellt?

Einfacher. Wie viel Zeit und Energie – oder alternativ Geld – man in soziale Medien investieren muss, um eine gewisse Reichweite zu erreichen, hat mich schon sehr überrascht.

Schon mal vielen Dank für das Interview. Zum Schluss hast du das letzte Wort und darfst meinen Lesern etwas mit auf den Weg geben.

Danke ebenfalls! Ich freue mich immer über konstruktive Kritik und bin offen für Anregungen jeglicher Art. Abonniert gerne unseren Newsletter und folgt uns auf FacebookTwitter und Instagram für laufende Updates von den Koalas. Bis dahin: Stay green!

About the author

Daniel

Daniel ist gelernter Mediengestalter und profitiert von über 10 Jahren Grafikerfahrung in Werbeagenturen und als selbständiger Grafiker. Privat ist er ein großer Musikliebhaber, Eishockey-Fan und Vater eines coolen Sohnes.

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