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„Es war fast wie eine Art Psychoanalyse“ – Das Startup amavido im Interview

Wer keine Lust auf einen Pauschalurlaub in einem x-beliebigen 4 Sterne-Hotel hat und nicht auf die bekanntesten Touristenattraktionen aus ist, für den hat amavido.de genau das Richtige. Das Startup bietet Unterkünfte bei gastfreundlichen Einheimischen in idyllischen und unentdeckten Dörfern Italiens an. Hier lernst du Land und Leute kennen. So wie sie wirklich sind. Ein spannendes und interessantes Unterfangen, welches ich mir einmal genauer unter die Lupe genommen habe. Deshalb habe ich mit Dominik – einem der Gründer von amavido – ein kleines Interview geführt und ihm ein paar Fragen zum Startup amavido und zu dessen Design gestellt. Die Antworten sind alles andere als langweilig. Sind sind spannend, informativ und geben einen tollen Einblick in das Projekt amavido.

Hallo Dominik, stelle dich und amavido doch mal kurz vor.

Ich bin Dominik, einer der Gründer von amavido. Ich bin Filmemacher und habe vor zwei Jahren fandujo gegründet, eine Produktionsfirma für Ideen. In diesem Kontext haben wir amavido entwickelt. amavido ist eine online Plattform, auf der du unentdeckte wunderschöne Ortschaften entdeckst, familiengeführte Unterkünfte und Aktivitäten buchen und kulturelle Informationen zu Land und Leute finden kannst.

Wie seid Ihr auf Eure Geschäftsidee gekommen?

Mein Vater kommt aus einem kleinen Dorf aus Süditalien. Aufgewachsen sind wir in Deutschland, waren aber jeden Sommer bei meinen Verwandten in Italien zu Besuch. Die Aufenthalte dort waren immer etwas ganz besonderes für uns, gemeinsam mit der großen Familie, die großen Essen, Espressi in Bars am Meer, Natur, die wunderschönen Strände und die Ländereien unserer Verwandten, auf denen wir Orangen ernten, die Erde bestellten oder Weintrauben sammelten. Als wir jedoch älter wurden, haben wir immer mehr auch die andere Seite gesehen, die große Arbeitslosigkeit und die daraus resultierende Landflucht und viele leerstehende Häuser. Als unser Vater ein kleines Haus im Dorf geerbt hat, überlegten wir, was wir damit machen sollten. Irgendwann kam uns die Idee, ob nicht auch andere Menschen wie wir direkt zwischen und mit den Einheimischen leben wollen, anstatt in überfüllten Touristenressorts Urlaub zu machen, also direkt mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. So entstand dann die Idee zu amavido.

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Ihr habt Euch zur Aufgabe gemacht, den Leuten Italien von einer anderen Seite zu zeigen. Wie ist die Resonanz bisher?

Wir haben Anfang diesen Jahres eine Crowdfunding Kampagne erfolgreich durchgeführt und sind offiziell an den Start gegangen. Seit dem ist die Resonanz sehr positiv, wir haben mehr als 30 Buchungen, und die Gäste, die bereits gereist sind, haben uns sehr positives Feedback gegeben. Auch die Gastgeber sind sehr zufrieden. Im Mai waren wir dann drei Wochen in Italien. Wir sind in Sizilien gestartet und bis in den Norden von Italien (Toskana) gefahren. Auf dem Weg haben wir viele neue Gastgeber besucht, das waren sehr interessante Begegnungen und Eindrücke, die Gastgeber sind leidenschaftlich Gastgeber und lieben ihren Beruf. Das alles zeigt uns, dass wir mit amavido auf dem richtigen Weg sind.

Wer hat Euch bei der Entwicklung Eures Logo und Corporate Design bzw. Branding geholfen? – Seid ihr zu einer Werbe- oder Designagentur gegangen oder war das eher durch einen befreundeten Designer?

Durch ein anderes Projekt, das COFFI Festival, kannten wir Jendrik Drazetic. Er ist ein sehr interessanter Designer und angenehmer Mitarbeiter und hat gemeinsam mit uns das komplette Corporate Design entworfen.

Wie war die Arbeitsweise an Eurem Logo und Corporate Design?

Wir haben lange Meetings gemacht, auf denen wir uns auf verschiedene Art und Weise dem Projekt genährt haben. Jendrik hatte viele verschiedene Ansätze, wie Bilder aus Zeitungen ausschneiden oder Werte, Inhalte und Ideen zu brainstormen und nach Wichtigkeit zu ordnen, sodass wir dem Kern von amavido immer näher kamen. Es war fast wie eine Art Psychoanalyse von uns und dem Projekt. So hat sich dann alles langsam immer mehr gebildet. Oft war es auch sehr anstrengend, zum einen weil man so gezwungen ist, wirklich mal die manchmal noch wagen Ideen zu formulieren, und auch weil wir eine große Gruppe waren, und bei manchen Entscheidungen sehr lange diskutiert haben. Für damals war es ok, in Zukunft würde ich jedoch nicht alle Entscheidungen immer in der großen Gruppe diskutieren.

Worauf habt ihr dabei Wert gelegt?

Das Design sollte besonders sein, also die Einzigartigkeit, die wir durch das Projekt und das Angebot schaffen wollen sollte sich auch in dem Design wieder spiegeln, daher haben wir uns dafür sehr viel Zeit genommen. Um die untere Frage etwas vorweg zu nehmen, ich würde in einem weiteren Projekt jedoch unterschiedlich herangehen, also viel mehr auf Prototyp gehen, also etwas minimaler, und dann mit den Erfahrungen die man dann mit Kunden und Markt macht weiter entwickeln. Denn oft verwendet man sehr viel Zeit auf etwas, dass dann für den Beginn gar nicht so wichtig ist, aber viel Zeit und Nerven in Anspruch nimmt.

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Hat Euer Corporate Design erheblichen Einfluss auf Euren Erfolg?

Es gibt immer noch einige UX Probleme, aber generell bekommen wir sehr gutes Feedback für das Design, die User fühlen sich auf der Seite wohl und sehen, dass wir mit Leidenschaft an der Arbeit sind, also dass sich unser Ansatz für das Projekt und die Angebote im Design wieder findet.

Welche Werbe- bzw. Marketingaktionen haben sich bei Euch besonders bewährt?

Die Crowdfundingkampagne war sehr gut. Sie hat natürlich viel Arbeit gemacht, hat uns aber auch viel Aufmerksamkeit und natürlich liquide Mittel gebracht. Weiterhin sind Zeitungsartikel und Radiointerviews stets sehr erfolgreich gewesen. Langsam bauen wir unsere Online-Kanäle aus, social media sowie affiliate marketing, newsletter und blog, aber bisher waren die klassischen Kanäle die erfolgreichsten.

Was würdet Ihr bzgl. Eurem Design heute anders machen?

Im Nachhinein kann man immer sagen, man würde etwas anders machen, aber vielleicht wäre man dann nicht jetzt wo man ist, auch mit den Fehlern lernt man ja und bekommt wichtige Erkenntnisse. Trotzdem kann ich sagen, wie oben angesprochen, dass ich das nächste Mal zu Beginn eher minimalistisch arbeiten würde und dann im Laufe weiter entwickeln. Also zu Beginn mehr form follows function, und dann später die Vereinigung von schönem Design und UX.

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Was würdet Ihr anderen Startups bzgl. Logo und Corporate Design mit auf den Weg geben?

Langsam ran tasten und nicht das Gefühl haben, wenn man online geht muss schon alles perfekt sein. Das ist so schwer, die Seele schreit, aber es ist aus der Vogelperspektive einfach besser. Wenn man dann die ersten Erfahrungen gemacht hat und vielleicht sogar ein funding, kann man das Design der Website immer noch mal neu gestalten oder überarbeiten. Das Corporate Design jedoch ist ein guter erster Schritt, um sich noch mal über sich und das Projekt klar zu werden, und dann auf gemeinsame Regeln einigen, die einen dann durch den Prozess begleiten. Dies lohnt sich zu gegebener Zeit schon relativ weit zu kreieren. Ich hatte lange Diskussionen mit dem Designer, weil ich immer meine Probleme mit Regeln habe, aber irgendwann habe ich verstanden, dass man sich sehr viel Zeit spart, wenn man dann Folgedokumente designt wie ein Pitchdeck oder ähnliches, und schon eine Basis hat, auf die man zurück greifen kann.

Zum Abschluss gehört Euch das letzte Wort und ihr dürft alles sagen was ihr wollt.

Design ist etwas wunderschönes, es ist eine ganz besondere Verbindung zwischen Kunst und Technik, es berührt die Seele und vereinfacht Dinge, nutzt es dafür, eure Vision umzusetzen, und ganz nach Dali:

„Don’t worry about perfection, you will never reach it!“

About the author

Daniel

Daniel ist gelernter Mediengestalter und profitiert von über 10 Jahren Grafikerfahrung in Werbeagenturen und betreibt das Designbüro nett. aus Gießen. Privat ist er ein großer Musikliebhaber, Eishockey-Fan und Vater eines coolen Sohnes.

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