Man sollte sich die Zeit nehmen, herauszufinden, ob man „miteinander kann“ – Achim Schaffrinna von Designtagebuch im Interview

Ewig ist es her, dass ich meinen letzten Blog-Artikel geschrieben habe und leider ist meine Zeit im Moment sehr stark begrenzt. Aber trotzdem habe ich es geschafft, mein Interview mit Achim Schaffrinna zur veröffentlichen.

Achim ist ein echter Experte in Sachen Corporate Design und ist vielen Personen durch seinen sehr lesenswerten Blog www.designtagebuch.de bekannt, in dem er sehr ausführlich über aktuelle Corporate Designs berichtet, und gerne auch mal mit seinen Lesern darüber in den Kommentaren diskutiert.

Im D4S Interview spricht Achim unter anderem darüber, warum gerade Startups ein professionelles Corporate Design benötigen, warum es sich nicht lohnt ein 150,- € Logo von der Stange zu erwerben und erklärt was ein Corporate Design mit weißen Tennissocken in Sandalen zu tun hat.

Soweit ich weiß betreibst du deinen Blog Designtagebuch schon über 10 Jahre. Hat sich über die Zeit die Qualität von Corporate Designs verbessert oder eher verschlechtert?

Die Qualität hat sich in den letzten 10 Jahren schon allein deshalb verbessert, da immer öfter über Corporate Design berichtet wird, sei es in Blogs oder in den digitalen Ausgaben von Printmagazinen, so zu zumindest meine Wahrnehmung. Die auf diese Weise erfolgte Sensibilisierung für visuelle Identitäten lässt somit auch handwerklich bessere CD-Manuals entstehen. Was sich hingegen deutlich verschlechtert hat, sind die marktwirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Corporate Design entsteht, Stichwort Crowdsourcing, Preisdumping und unfaire Ausschreibungen.

Wie wichtig ist es für Unternehmen ein gutes Corporate Design zu haben?

Das Erscheinungsbild eines Unternehmens (einer Marke) sollte den Verantwortlichen viel Wert sein, denke ich. Nicht immer ist das der Fall. Das ist wie bei uns Menschen. Da gibt es Tennissocken in Sandalen, löchrige Pullis oder Hosen im Schlabber-Look. Das mag bequem sein, sonderlich Eindruck schindet man damit allerdings nicht. Für Unternehmen ist es letztlich eine Frage des Selbstverständnisses, welches Bild man abgeben möchte, nach außen wie nach innen.

Was macht deiner Meinung nach ein gutes Corporate Design aus?

Corporate Design orientiert sich stets an den Werten des Unternehmens und leitet sich als Bestandteil der Corporate Identity „logisch“ von diesen Werten ab. Das Erscheinungsbild ist die visuelle Entsprechung des Unternehmens, es reflektiert dessen Leistungen und Produkte. Gestaltung, die lediglich kaschiert, die mehr verspricht als beispielsweise die Produkte halten können, ist von einem solchen Ideal freilich weit entfernt. Anders als eine Werbekampagne wirkt Corporate Design meist erst nach vielen Jahren. Das visuelle Erscheinungsbild braucht Zeit. Wenn man genügend Zeit mitbringt und das eigene Corporate Design zum Anlass nimmt, grundsätzliche Dinge im Unternehmen zu hinterfragen, seien es der Umgang mit dem Kunden, die Sprache, bestimmte Abläufe und Automatismen, dann kann etwas Gutes entstehen.

Du bist Diplom Designer. Wie ist deine Arbeitsweise mit dem Kunden, wenn du für ihn ein Corporate Design erstellen sollst?

Kein Projekt ist wie das andere – das gemeinsame Kennenlernen haben sie jedoch alle gemein. Erst wenn man eine Vorstellung von dem hat, was der andere macht, kann man diesen mittels Formen und Farben beschreiben. Denn das ist es ja, was Kommunikationsdesign leistet. Wir übersetzen die Eigenschaften eines Unternehmens, einer Marke (etc.) in Formensprache.

Findest du, dass nur große Unternehmen ein funktionierendes und bis ins kleinste Detail durchdachte Corporate Design benötigen?

Ganz und gar nicht. Anders als große Unternehmen und Marken, die bereits bekannt sind, ist der Handlungsbedarf hinsichtlich eines professionellen Corporate Designs auf Seiten von StartUps eher sogar noch größer, vielleicht auch weil der Wettbewerb größer ist. Schließlich muss man Kunden – oder Investoren – von der Qualität der eigenen Leistung erst noch überzeugen.

Startups haben meistens nur ein kleines Budget für Werbung und Corporate Design. Was sollte deren Corporate Design auf jeden Fall beinhalten?

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Von daher ist in Corporate Design angelegtes Geld grundsätzlich überaus sinnvoll. Bei einer solchen Investition in die Zukunft darf man sich gerne zweimal überlegen, ob man sich für 150 Euro ein Logo von der Stange zulegt, für das sich, da es sich um ein Plagiat handelt, womöglich nicht einmal Markenschutz beantragen lässt, oder ob man ein nachhaltiges Konzept auf die Beine stellt. Eine Agentur des Vertrauens ist in jedem Fall einschlägigen Crowdsourcing-Plattformen vorzuziehen.

Nach welchen Kriterien sollten Startups eine Agentur auswählen, mit der sie in Sachen Corporate Design zusammenarbeiten wollen?

Man sollte sich die Zeit nehmen, herauszufinden, ob man „miteinander kann“. Es geht dabei weniger um das Erreichen von Konsens, sondern um Vertrauen. Es geht auch um das gute Bauchgefühl. Das lässt sich schwer in Kriterien fassen. Auch ein mit Designawards dekoriertes Regal ist kein Grant dafür, dass am Ende etwas Passendes dabei rumkommt. Wichtiger wäre sich anzuschauen, wie und wo sich die Agentur im Netz präsentiert.

Spielt deiner Meinung nach die lokale Nähe eine große Rolle oder denkst du, dass in Zeiten des Internets auch eine Agentur in Frage kommt, deren Standort über 200 Km entfernt ist?

Von der geografischen Lage würde ich die Wahl der Agentur nicht abhängig machen. Das ist ja doch eher Zufall. Heutzutage ist es selbstverständlich, dass viele Dinge via Skype, Telefon und Mail abgestimmt werden, auch weil dies Zeit und Geld spart. Dennoch macht es Sinn, sich jemanden vor Ort zu suchen. Eine lokale Agentur ist halt auch ein Bekenntnis für den eigenen Standort. Je nachdem in welcher Branche man sich als StartUp bewegt, kann es schon ein wichtiges Signal sein, einen lokalen Partner auszuwählen.

Vielen Dank für das Interview. Das Letzte Wort gehört nun dir und du darfst den Lesern von D4S alles sagen, was du schon immer mal sagen wolltest:

Wenn man es nicht versucht, wird man nie erfahren, ob es vielleicht funktioniert hätte. Also einfach machen!

About the author

Daniel

Daniel ist gelernter Mediengestalter und profitiert von über 10 Jahren Grafikerfahrung in Werbeagenturen und betreibt das Designbüro nett. aus Gießen. Privat ist er ein großer Musikliebhaber, Eishockey-Fan und Vater eines coolen Sohnes.

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